Michael Schnitzler - Musiker und Umweltschützer

Besprechung mit Vertretern der Parkverwaltung und Alejandra Monge, Direktorin der Corcovado-Stiftung

Konzertgeiger und Violinprofessor
Michael Schnitzler wurde 1944 in Kalifornien als Sohn österreichischer Eltern geboren. Sein Großvater war der Dichter Arthur Schnitzler. 1959 übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien, wo er an der Musikakademie Violine studierte und bereits mit 15 Jahren als Substitut bei den Wiener Philharmonikern spielte. Von 1967 bis 1983 war er Erster Konzertmeister der Wiener Symphoniker, und von 1982 bis zu seiner Pensionierung 2006 ordentlicher Professor für Violine an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seit 1965 ist er Geiger des Haydn-Trio Wien, mit dem er Konzertreisen durch die ganze Welt unternimmt, zahlreiche Aufnahmen machte und 30 Jahre lang einen Zyklus für die Wiener Konzerthausgesellschaft gespielt hat. Insgesamt hat Michael Schnitzler mehr als 3000 Konzerte gespielt.


Michael Schnitzler 1992 mit Goldwäschern im Esquinas-Regenwald.

Naturliebhaber und Naturschützer
Die große Leidenschaft von Michael Schnitzler sind Naturreisen. Er trekkte in Peru, Kanada und Ladakh, bestieg den Kilimandscharo und den Cotopaxi in Ecuador, unternahm Safaris in Afrika, tauchte im Roten Meer, im Indischen Ozean und in der Südsee und durchfuhr mit einem Floß den Grand Canyon. Fernreisen führten ihn zu den Galapagos-Inseln, in die Antarktis, nach Alaska und Grönland und in mehrere tropische Länder, wo er seine Liebe zu den Regenwäldern entdeckte. 1989 kaufte er sich ein Häuschen am Rande des Regenwaldes bei Golfito im Süden Costa Ricas mit der Absicht, dort seine Ferien zu verbringen. Bald darauf ist er auf die Zerstörung der umliegenden Regenwälder aufmerksam geworden und beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. 1991 wurde der Esquinas-Regenwald zum Nationalpark erklärt. Da sich jedoch alle Grundstücke in privatem Besitz befanden, konnte das Gebiet freilich nur als "Papier-Park" bezeichnet werden  bis es in den Besitz der Nationalparkverwaltung von Costa Rica überging. Zahlreiche Schlägerungsgenehmigungen waren in Kraft, und die Abholzung wurde unvermindert fortgesetzt. Michael Schnitzler gründete daraufhin den Verein Regenwald der Österreicher mit der Absicht, Spenden für den Freikauf des Esquinas-Regenwaldes zu sammeln. Er konnte damals nicht ahnen, dass sein Hobby zum zweiten, ehrenamtlichen Beruf würde, der bald mehr Zeit in Anspruch nahm, als das Konzertieren und Unterrichten. Für seinen "Einsatz für das Unwiederbringliche in der Natur und in der Umwelt" erhielt er 1995 den  Österreichischen Staatspreis für Umwelt (Konrad-Lorenz-Preis).


Michael Schnitzler mit Kindern vor der Schule in La Gamba.


Michael Schnitzler: „Warum ich das Ganze mache“

Auszug aus der Festrede anlässlich der Verleihung des Großen Binding-Preises für Natur und Umweltschutz in Schaan (Liechtenstein), 2000:
Oft werde ich gefragt, warum ich das Ganze mache. Die spontane Antwort lautet: „Weil es sonst keiner macht“. Es gäbe genügend Musiker, die statt mir unterrichten oder meinen Platz am Konzertpodium übernehmen könnten, aber es hat sich eben niemand gefunden, der sich um die Rettung des Esquinas-Regenwaldes bemüht. Große Umweltorganisationen wie Greenpeace oder der WWF können sich unmöglich um sämtliche gefährdeten Plätze der Welt kümmern, dazu sind auch kleinere Initiativen auf lokaler Ebene notwendig. Mit der Initiative Regenwald der Österreicher wollte ich meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass man nicht einen Traum oder eine Vision braucht, um etwas zu bewegen und etwas zu bewirken. Man braucht nur eine Idee sowie die Bereitschaft, diese Idee in die Tat umzusetzen. Vielleicht auch etwas Mut, etwas Fantasie, etwas Ausdauer, aber dies sind Eigenschaften, die sehr viele Menschen besitzen. Der Regenwald der Österreicher ist zwar nur ein winziger Fleck auf dieser Erde, aber es gibt noch unzählige genauso wertvolle Flecken, die durch Aktionen wie unsere gerettet werden könnten. Wer nur kopfschüttelnd zuschaut und über die fortschreitende Zerstörung der Naturschätze durch die Menschen philosophiert, bewirkt jedenfalls absolut nichts.